Fremde, Freunde und noch was
Ich hab in den letzten Tagen viel gutes Feedback bekommen, von Freunden, von Kollegen, aber auch von Menschen, die mich nur über den Blog kennen. An alle vielen Dank!
Eigene Projekte zu zeigen ist nie einfach, macht Angst, man könnte nicht verstanden werden. Teil des Erwachsenseins ist es, mit Kritik umzugehen und daran zu wachsen. Mit konstruktiver Kritik, hoffentlich, aber konstruktive Kritik erfordert eine echte Auseinandersetzung mit der Sache und ist daher leider viel zu selten.
Jedenfalls kam in den letzten Tagen wieder vermehrt die Frage auf, ob Freunde sich für das interessieren sollten, was man macht.
Und ich denke, zumindest bis zu einem gewissen Grad ja, denn wie kann man sonst behaupten, jemanden zu kennen?
Es gibt einen Menschen, den ich seit über einem Jahr kenne und den ich oft sehe. Er scheint mich zu mögen, er nimmt mich mit auf Parties und erzählt mir viel von sich.
In letzter Zeit interessiert er sich auch sehr für Kunst, er nimmt mich mit auf Vernissagen und zeigt mir seine Sammlung.
Was mir etwas zu schaffen macht ist, dass er völlig ignoriert wer ich bin und was ich eigentlich tue. Als er neulich mal wieder von seiner Kunstsammlung sprach, die er erweitern will mit Werken seiner Freunde und Nachbarn, musste ich doch mal fragen, ob er nicht mal meine Sachen ansehen wolle. Er sagte nein. Er könne sie sich ohnehin nicht leisten.
Das kann er nicht wissen, denn er weiss nicht im Entferntesten, was ich mache.
Und darum geht es auch nicht. Ich war verletzt ob seines Desinteresses und begann mich zu fragen, ob inwieweit dieser Mensch mich überhaupt kennt, oder kennen will.
Als er mich das nächste Mal sah sagte er (ungefährer Wortlaut):
"Übrigens interessiere ich mich doch für deine Arbeiten. Ich hab doch schon eine, die du mir signieren solltest."
Ich: "???"
Er: "Ja, dieses Foto, das du von meinem Künstlernachbarn gemacht hast ist super. Und wenn der berühmt ist wird es das Cover seiner Biographie sein."
Nach einigem Nachdenken erinnerte ich mich, irgendwann mal spontan ein Photo gemacht zu haben, das ungefähr so viel mit mir zu tun hat wie die Speicherkarte mit meiner Kamera oder sowas. Das Gefühl, unverstanden zu sein wuchs minütlich. Es kam noch jemand dazu und er stellte mich vor als Bloggerin:
"Ich finde ihren Blog toll, auch wenn ich darin oft nicht so gut wegkomme!" (lacht)
Man muss Leute sicherlich so nehmen wie sie sind. Was mich betrübt ist, dass dieser Mensch doch ein Freund sein sollte, und ich glaube allmählich, dass er wenig mehr von mir weiss als meinen Namen und meine URL und dass er auch in keiner Weise anstrebt mehr zu erfahren. In Anbetracht meiner immer noch instabilen Position in dieser Stadt, in diesem Land und im Leben überhaupt macht diese Erkenntnis mir gerade zu schaffen.
