Monday, June 30, 2008

Nietzsche spricht zu mir

Und er sagt:

Glaube an Inspiration. - Die Künstler haben ein Interesse daran, dass man an die plötzlichen Eingebungen, die sogenannten Inspirationen glaubt; als ob die Idee des Kunstwerks, der Dichtung, der Grundgedanke einer Philosophie, wie ein Gnadenschein vom Himmel herableuchte. In Wahrheit producirt die Phantasie des guten Künstlers oder Denkers fortwährend, Gutes, Mittelmässiges und Schlechtes, aber seine Urtheilskraft, höchst geschärft und geübt, verwirft, wählt aus, knüpft zusammen; wie man jetzt aus den Notizbüchern Beethoven's ersieht, dass er die herrlichsten Melodien allmählich zusammengetragen und aus vielfachen Ansätzen gewissermaassen ausgelesen hat. Wer weniger streng scheidet und sich der nachbildenden Erinnerung gern überlässt, der wird unter Umständen ein grosser Improvisator werden können; aber die künstlerische Improvisation steht tief im Verhältniss zum ernst und mühevoll erlesenen Kunstgedanken. Alle Grossen waren grosse Arbeiter, unermüdlich nicht nur im Erfinden, sondern auch im Verwerfen, Sichten, Umgestalten, Ordnen.


Das nehme ich jetzt mal zur Kenntnis.

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Sunday, June 22, 2008

conartists

Gerade eben als ich nach Hause kam und gerade das Tor aufschloss rief es von hinten:
"Entschuldigen Sie" und dieses hinterrücks ge-"entschuldigen Sie", wenn man gerade aufsperrt und eine Barriere zwischen sich und das Draussen setzten will, das nervt mich eigentlich sofort.
Es war ein Mann um die 50, angeblich Anwalt, angeblich ohne Telefonkarte, angeblich gerade einen Autounfall gehabt "und jetzt am Sonntag" erreicht man ja keinen. Und aus Hamburg sei er, morgen habe er ein Verfahren hier, sei schon heute gefahren, dabei habe man ihn gewarnt. Es wurde mir schon sehr langweilig und ich fragte, was er wolle.
"Notruf" tätigen, ob ich helfen könne.
Nun gut, nachdem ich in den letzten 10 Jahren (mindestens) solchen Dingen nicht den mindesten Glauben geschenkt hatte, beschloss ich aber heute so unvoreingenommen wie möglich zu sein und reichte ihm mein Handy.
Das nütze ihm nichts er müsse zurückrufbar sein. 50 Cent brauche er.

Vor einigen Monaten hatte ich ungefähr diese Situation schon einmal. Und an dem Punkt, wo jemand, der Anwalt oder Geschäftsmann ist "kein Kleingeld" hat, kein Handy hat, Probleme mit der Telefonkarte und der EC-Karte hat und für einen dringenden Anruf jemanden wie mich um 50 Cent bittet schalte ich eigentlich automatisch ab. Also sagte ich beim letzten Mal einfach "Nein, tut mir leid", weil es mir zu blöd war. Diesmal war es mir auch zu blöd, aber ich gab ihm 20 Cent und er zog ab. Man hätte noch die diversen Möglichkeiten der Hilfebeschaffung (diverse Restaurants und Kioske überall für Geldwechsel und Telefone, EC Automaten, Notruf, etc.) erörtern können.
Aber Zeit ist ja auch Geld. Und wer weiss. Es besteht sicher eine Chance von ca 3%, dass er die Wahrheit gesagt hat.

Als ich in San Francisco lebte gab es ungefähr 18000 Obdachlose, die alle auf unterschiedliche Art und Weisen bettelten oder logen und betrogen. Wenn ich gut drauf war gab ich denen, die unterhaltsam waren (ein guter Rap zum Thema oder eine gute Geschichte) ein paar cent.
War ich schlecht drauf nicht. Meistens nicht, weil es einfach nervt nach einer Weile. Und teilweise hab ich besonders nervige so zur Sau gemacht, dass sie tatsächlich abzogen und sich mein Gesicht merkten und nie wieder fragten. Da waren es nur noch 17.993.

In NY passierte das seltener, die Obdachlosen waren zu fertig um noch gross Energie in die Geldbeschaffung zu stecken. Ausser ein paar ganz jungen, die Wohl irgendein romantisches Ziel verfolgen.
Es gab und gibt aber einen, der jeden Tag durch Downtown rennt und einfach jeden nach einem Quarter fragt. Also wirklich jeden.
Ein nicht schlecht aussehender Mann Mitte 30. Er fragte mich ein paar mal zu oft und diese Routine stößt bei mir immer auf grosse Missbilligung. Eines Nachmittags lief ich ihm nach. Die Reise ging quer durch downtown, Strasse auf, Strasse ab, in Restaurants hinein, in Getümmel hinein und wieder raus.
Was ich extrem beeindruckend fand war, dass relativ viele ihm ganz automatisch 25 Cent geben. Muss gute Erziehung sein oder sowas.
"Do you have a Quarter?" und schon kramen die meisten in der Tasche.

Ich reagiere wie gesagt sehr schlecht auf "panhandler and conartists", besonders weil sie undifferenziert vorgehen. Keine gute Sportart, habe ich beschlossen.

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Wednesday, June 04, 2008

Mahagonny

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny war super. Von den Brecht/Weill Sachen musikalisch mit am interessantesten...Plot vielleicht etwas dünn, aber Text dennoch 1A. Ich bin sehr zufrieden.

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Sunday, June 01, 2008

Samstag abends

Wieder einer dieser sehr arbeitsintensiven Samstag Abende....
Erst die Kunstinvasion in einem ehemaligen Blumenmarkt....war ein bisschen wie das Projekt letztes Jahr, das war aber in einem Gewächshaus, deshalb klimatechnisch auch interessant.
Dann Polnischer avantguarde jazz. Dann Dandiya-Disco party!!!!
Die Kunst war in Ordnung, oft sogar unterhaltsam, allerdings sagte meine Begleitung wegen Heuschnupfen's ab (die Allergie schlug bereits bei der Erwähnung des Wortes "Blumenmarkt" heftig zu).
Die Jazzer taten mir etwas leid, denn sie bemühten sich sosehr, industriel und politisch-extremistisch rüberzukommen. Und es hatte ihnen wohl noch niemand gesagt, dass Laibach das gleiche schon seit Jahren viel besser macht.
Die Party jedoch war über jede Kritik erhaben. So war das gestern im Scala....

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Sunday, May 04, 2008

Galeriewochenende

Es ist galleryweekend! Das ist natürlich schön und lustig, aber soooo anstrengend! Chronischer Schlafmangel mit akuter Zuspitzung trägt dann sas übrige bei und in einem so geschwächten Zustand hinterlässt eine Gallery voller zusammengeschnürter nackter Japanerinnen in recht kompromittierenden Situationen einen besonderen Eindruck. Naja, das Bild der suspendierten Schönen mit Godzilla in der Möse war ganz hübsch.
Danach musste ich erst mal gehen und was anderes machen, vielleicht heute nochmal....
Japanische Mösen: Jablonka Gallerie

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Thursday, May 01, 2008

Am schönen Mai-Tag

Der Tag heisst gar nicht Mai Tag hier, ich gebs ja zu. Habe gerade der Realität, deren Gehalt ich bereits vermutet hatte, frontal ins Angesicht geschaut und festgestellt, dass ich diverse interessante Bewerbungsfristen zur Kunst und Filmförderung verpasst habe. Irgendwie ist es jedes Jahr dasselbe. Ich brauche bitte eine Sekretärin!

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Saturday, April 12, 2008

Kunst-Werke

Wollte gerade zum "kostenloser Eintritt und kostenloses Abendessen" Event der KW gehen, aber wegen Überfüllung der Räumlichkeiten wurden etwa 200 Besucher nicht durchgelassen. Ehrlich gesagt, wenn ich weder rein noch rauskomme verzichte ich freiwillig. Hab dann Abendbrot bei Lidl bekommen. Fast kostenlos. Wie gesagt, Kunst ist offenbar superpopulär, vor allem mit frei-drinks und frei-essen!
Ich geh stattdessen zu einer *party* party mit Sue's Band. Trefft mich dort!

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Saturday, April 05, 2008

Samstag abend

Samstag abend und ich bin zuhause. Allein.Das habe ich nur mir selbst zuzuschreiben. Ich könnte diverse Veranstaltungen aufsuchen oder jemanden anrufen oder sowas. Stattdessen hab ich mir gerade Faust
gekauft und wahrscheinlich werde ich den Rest des Abends Teil 1 deklamieren...bevor ich dann zu Faust 2 übergehe, den ich schon x-mal für irritierend und weinerlich befunden habe. Aber vielleicht muss man da einfach älter sein um den zu schätzen. 80 oder so.
Auch im Theater kam er ja nicht so gut an, höre ich, wobei die Massenflucht ab der Inszenierung gelegen haben mag.
Aber warum nur bin ich nicht so sozial wie die anderen Berliner meines Alters, die doch, laut zitty, rocken und flirten und feiern? Irgendwas stimmt da nicht.

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Sunday, March 30, 2008

Say Kimchiiiiiiii!

In Korea sagt man bei Gruppenphotos nämlich nicht "cheese" sondern "kimchiiiiiiiiiii"!
Gute Nachrichten:
Es gibt jetzt Kimchi bei jetpong auf dem Wochenmarkt am Kollwitzplatz. Fast wie zuhause.

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Tuesday, March 11, 2008

Pyramiden und Hierarchien

Gestern war ich bei der grossen Pyramiden Gala, in erster Linie wegen David Woodard, der mich ganz bescheiden darauf hingewiesen hatte, dass er einen Cornerstone Cringle dirigieren würde. Wie kann ich da nein sagen. Als seine persönliche Sekretärin folgte ich ihm am Abend ins HAU. Und erst später, als der Saal sich füllte, stellte ich fest, dass ich eigentlich eine Karte mit Sitzplatznummer bräuchte. Die Bordingkarte, die ein freundlicher Schweizer mir als Ersatz reichte, half nur bedingt. Aber dann sah ich einen freien Platz, recht weit vorn, und ich liess mich beherzt nieder. Lächelte den Mann neben mir freundlich an, der mich seltsam streng anblickte. Als sein Blick mich offenbar nicht irritierte sprach er. Er glaube es sei Ingo's Platz. Ich kannte Ingo nicht und dachte, ich könne vielleicht bleiben, bis sich der Verdacht erhärten würde. Der strenge Herr in weichem Englisch war sich aber sicher. Wirklich, das sei Ingo's Platz.
Ich sah ein, dass er offenbar lieber neben Ingo sitzen wollte und nahm einen Platz zwei Reihen weiter hinten ein. Die Gala begann. Auf der Bühne stand Ingo. Er stellte den strengen Herrn vor: es handelte sich um Rem Kolhaas.
Was soll ich sagen....
Jedenfalls war der Cornerstone Cringle ein echtes Highlight des Abends und auch bei Momus' Beitrag blieb kein Auge trocken.
Der Pyramide selbst stehe ich etwas skpeptisch gegenüber. Ich glaube ich hätte meine Asche lieber freifliegend im Universum als verschüttet unter anderer Asche. Aber jedem das Seine. Es sind noch Plätze frei!

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