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Ankunft

Als mir eine Professur im Fachbereich Digital Design an einer Universität in Busan angeboten wurde, war ich verständlicherweise begeistert, denn in Deutschland gab es für Künstler derzeit wenig Beschäftigung. Die Webseite der Universität war so vielversprechend, dass ich mich fragte, warum ich den Namen noch nie gehört hatte. Der Campus war nicht nur modern und neu und gross, sondern besaß ein eigenes Fernsehstudio, Theater und mehrere Gallerien. Wahrscheinlich hatte ich den Namen mehrfach gehört und ob seiner Fremdartigkeit nicht recht aufgenommen.
Einige Wochen später, auf dem Flug nach Seoul, stellte ich jedoch fest, daß auch meinen Koreanischen Mitreisenden der Name der Universität nicht geläufig war. Der Name der Universität ist unerheblich. Eine von viel zu vielen. Als ich nach 18 Stunden schlaflosen Fluges in Busan ankam wurde ich von einer fünfköpfigen Delegation, bestehend aus meinen beiden Vorgesetzten, dem Amerikaner, den ich ersetzen sollte und zwei Assistenten, in Empfang genommen, die mich sogleich in ein teures Restaurant führten. Der Amerikaner scherzte verlegen, die Koreaner schwiegen und lächelten. Ich bemühte mich zu zurückzulächeln und nicht einzuschlafen, und wünschte ich hätte den Flug nicht in Jogginghose sondern im Anzug unternommen, wie die Koreanischen Fluggäste.
Im gesamten nächsten Jahr versicherte man mir immer wieder, daß Korea sehr gut für mich sei, denn ich sähe viel besser aus als bei meiner Ankunft.
Übrigens sagen Koreaner überhaupt sehr offen und häufig, was sie vom Aussehen des Gegenübers halten:

“Hallo, Sie haben aber zugenommen!”
“Hallo, Sie haben aber abgenommen!”
“Guten Tag, Sie sehen krank aus!”
“Ihr Haar ist ja schrecklich!”
“Sie sollten sich das Gesicht waschen.”

Aber das nur am Rande, um die allgemeine Atmosphäre zu näherzubringen.
Ich bestand auf eine Führung durch die Fakultät, die mir recht widerstrebend gewährt wurde, denn meine Vorgesetzten wollten lieber mit mir essen gehen. Überhaupt sprachen sehr viel über koreanisches Essen und nur wenig über meine anstehende Aufgabe. Ich vermutete Sprachbarrieren als Ursache.
Der Realitätsabgleich zwischen Webseite und Wirklichkeit bezeugte visionäre und ehrgeizige Qualitäten auf seiten der Realität. Die meisten Gebäude, die auf der Webseite erwähnt waren, befanden sich noch “in Planung”. Ebenso die Ausstattung der Klassenzimmer und die Software-lizenzen.
Allerdings verfügte die Universität tatsächlich über einige Gerätschaften, die ansonsten Hollywood Studios oder der NASA vorbehalten sind, unter anderem Motion-capture und Hirnstrom-messer. Nachfragen ob ihres Zweckes ergaben, dass die Geräte noch nicht benutzt worden waren, da niemand an der Fakultät sie bedienen konnte. Ich wurde nachdrücklich zum durchführen des ersten erfolgreichen Projekts ermutig und begann mich zu fragen, wer mein Resume übersetzt hatte.