Das Koreanische Bildungswesen: Eine Gegendarstellung
Da sage noch einmal einer in Deutschland ändere sich nichts: als ich
vor zwei Jahren hier erwähnte, ich habe Anstellung an einer Universität
in Korea gefunden wurde diese Ankündigung mit verwirrtem Schweigen
kommentiert. Die Gehirne der so Konfrontierten arbeiteten sichtlich angestrengt
an einer Einordnung. Wenn diese schliesslich erfolgte richteten sich geweitete
Augen auf mich, die als bildschirm des Hirns in rascher Abfolge immer dieselben
Bilder zeigten: Baracken in sumpfigen Reisfeldern irgendwo hinter China,
Mosquito zerfressene SARS Opfer mit Mundschutz, Handies, eine Einstellung
aus MASH.
“Oh” sagte man nur. Lediglich ein älterer polnischer Arzt
wusste wovon ich sprach und gratulierte mir aufs herzlichste, denn er hatte
seinerzeit unter Mao auch in China gearbeitet.
Entsprechen verblüfft registrierte ich bei meiner Rückkunft im
Juli 2005, daß Deutsche inzwischen Experten auf dem koreanischen Gebiet
geworden waren. Von Pisa-Sieg bis Automobil Qualität kann heute der
gemeine Deutsche im Schnitt zehn Gründe für die erstaunliche und
bis vor kurzem unbemerkte Überlegenheit Koreas anführen. Und er
tut es gern.
Besonders die Intelektuellen in meinem Bekanntenkreis schienen mich schon erwartet zu haben und waren vorbereitet. Sie erzählten mir sogleich begeistert von den Unsummen die in Korea für Bildung verwendet würden, welch traumhafte Vorraussetzungen für Forscher und Akademiker geboten seien und drückten mir Belege in Form von ausgeschnittenen Zeitungsartikeln der seriösen Art in die Hand. An dieser Stelle mussten sie den Vortrag mit Bedauern unterbrechen um andern Orts gegen die Erhebung von Gebühren an den miserablen deutschen Hochschulen zu protestieren.
Ich verblieb mit den Zeitungsartikeln über das Koreanische Bildungssystem.
Und war nach dem Lesen derselben von grosser Erregung erfasst, so gross,
dass ich sofort mit jemandem sprechen musste. Aber niemand konnte mich hören,
denn meine Mitmenschen waren nicht nur zu Korea Experten geworden, sondern
auch noch selektiv ertaubt, nämlich auf dem Ohr gen Ost-Asien. Sowas
scheint gebildeten Menschen desöfteren zuzustossen.
So kam diese Gegendarstellung zustande, ohne Zeitungsartikel oder ähnliche
Belege. Lediglich ein Erfahrungsbericht, gesammelt im zweijährigen
Arbeitsverhältnis mit Koreanischen Hochschulen.