Monday, June 25, 2007

Projekte und Widrigkeiten

Das Leben ist gut, es ist produktiv, es tut sich viel. Aber Samstag war ein Tag der Widrigkeiten. Jeder kennt sie, diese Tage, an denen alles einfach etwas anders läuft als gedacht....in meinem Leben scheint es mehr davon zu geben, als statistisch vorgesehen, aber was sind schon Statistiken. Am Mittag fand ich mich in Charlottenburg mit dem Fahrrad, als es begann sintflutartig zu regnen. Ich wartete, eine halbe Stunde spaeter schien es aufgehört zu haben und ich beschloss den Rückweg nach Mitte anzutreten. Natürlich fing der Regen sofort wieder an und ich beschloss, einfach so schnell wie möglich nach Hause zu fahren und etwas Trockenes anzuziehen. Bis eine Polizei-barrikade und eine CSD-Parade mich zum Absteigen zwangen und mich trennten von trockener Kleidung Tauenzien und 2 Millionen Homosexuelle. Ich stand buchstäblich begossen eine Weile unschlüssig rum, parkte dann schliesslich und schlüpfte in der Umkleidekabine eines nahegelegenen Warenhauses in ein paar trockene Kleidungsstücke der Marke Boss. Als ich wieder warm war, beschloss ich, dass sie mir nicht zu Gesicht standen und zog mich wieder um.
Irgendwann kam ich dann zu Hause an und zog mir ein trockenes Kleid an, denn ich war verabredet und ein Bekannter hatte gesagt, dass ich bis nach Friedrichshain im Auto mitfahren könnte. Also nix Fahrradkleidung, sondern Ausgehkleid.
Irgendwie begab es sich, dass mein Begleiter und ich auf einen Bekannten trafen, der uns anbot uns zu einem Radio-event in Rummelsburg mitzunehmen. Ich war zwar noch etwas geschwächt von meiner mittäglichen Begiessung, aber liess mich dann überreden, weil mir zugesichert wurde, dass wir a) nur bis 23 Uhr bleiben würden und b) es ja auch S-Bahn Rummelsburg gäbe.
Ich hatte zwar ein ungutes Gefühl, aber stieg mit ein und wir fuhren los.
Rummelsburg liegt im Nirgendwo, stellte sich bald heraus. Es gibt einen Stasiknast, ein Zementwerk, ein Kraftwerk und die Radiostation. Drinnen gab es sehr beeindruckende Räumlichkeiten und den Film Menschen am Sonntag, von dem man nichts sehen konnte.
Mein rückenfreies Kleid war auch ein eher zweifelhafter Erfolg.

Männlicher Begleiter A: (legt seine Hand auf meinen Rücken)

Was Johanna für unglaublich weiche Haut hat!
Männlicher Begleiter B: (kritisch hin schielend)
Und was für Narben!

Was soll ich sagen, hab ich Augen im Hinterkopf? Ich hielt mich raus, aber gegen 23:30 fragte ich dann doch mal, ob wir nicht vielleicht bald....?
Pläne schienen sich geändert zu haben, denn nun war eher 00:30 angepeilt. Das war mir eindeutig zu spät und ich verkündete zur S-Bahn aufzubrechen, was Begleiter A zähneknirschend dazu brachte sich auch zu verabschieden, denn er traute mir den Weg offenbar nicht zu.
Und als wir 10 Minuten später endlich aus dem Radiokomplex herausgefunden hatten, war ich dann doch ganz froh, dass er da war, denn der Pförtner sagte:
Naja, immer da die Strasse Runter, da kommt ihr zur S-Bahn. Aber 2 km ist das schon....
Und es begann eine lange, surreale Oddysee durch Rummelsburg. Wir waren die einzigen Menschen in diesem Teil der Welt. Um uns nichts, nichts, Kraftwerke, stillgelegte Gefängnisanlagen....und nach einem Kilometer riss der vordere Riemen meiner Sandale, ich hatte nicht mit einem Gewaltmarsch gerechnet und eher weniger belastbares Schuhwerk gewählt. Die Situation verwandelte sich allmählich in eine Art überlebenstraining. Mit einer Regenmantelkordel, die mein Begleiter zur Verfügung stellte, befestigte ich notdürftig die Sohle am Fuss und humpelte den Rest des Weges. Leider hatte sich der Pförtner verschätzt, es waren eher 4 Kilometer. Als wir endlich, endlich dort waren, nach Stunden, hatten wir die Bahn gerade verpasst. Keine in Aussicht für die nächste halbe Sunde.
So humpelte ich weiter zum Ostkreuz.
Irgendwann, in den frühen Morgenstunden kam ich auf diese Weise in Mitte an (zwischendurch kam mal eine Bahn, was das Fortkommen erleichterte) und ich war selten so froh zu Hause zu sein. Die Nacht klang dann in einem Albtraum aus.

Irgendwie habe ich mich immer noch nicht ganz davon erholt.

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5 Comments:

Claudia said...

Diese blöden, nicht ernstgemeinten Zusagen der Autofahrer! Ich hoffe, du hast dich nicht erkältet.

6:10 PM  
Johanna said...

Naja, es gab Gründe für die Planänderungen...und vielleicht ging es auch tatsächlich darum, mir eine unvergessliche Nacht zu bescheren. Das ist gelungen:-)

12:26 AM  
Ithaca said...

Wow. Wow. Horrible night but fabulous post.

11:56 AM  
Anonymous said...

Schöne Gegend da, stimmt...Da möchte man nicht tot übern Zaun hängen :-) Mit einem Schlauchboot hättest du die Spree runterfahren können, Friedrichstr. aussteigen....Ich hab da mal zwei Wochen lang ein Set für ne Serie gebaut...Die Räumlichkeiten sind schon echt cool. Vor allem dieser wahsinnsaufnahme raum für das Filmorchester...abgefahren...
Ulf

11:28 PM  
my am said...

ich glaub, ich war auch einmal dort um bewerbungsfotos zu machen, mein bekannter, der fotograf drehte vorsorglich die heizung an... was erstmal keinen sinn machte.. bis dann am ende herauskam er würde gerne pornografische bilder machen mit mir sozusagen als danke schön.. zum glück hat er mich dann doch noch hause gefahren, ohne auf die bilder zu bestehen. merkwürdigerweise haben wir jetzt gar keinen kontakt mehr :) .. irgendwie wundert es mich nicht, das du dort so unangenehme erfahrungen gemacht hast.

10:30 AM  

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