Eine Bekannte überredete mich, mit ihr zu einer kostenlosen Massagebehandlung zu gehen. Angeblich würde das von Russen gemacht werden, da hätte sie gleich an mich gedacht. Ich war natürlich misstrauisch, denn in Deutschland ist eigentlich nichts kostenlos. Und bei der Massage russisch zu üben erschien mir ehrlich gesagt auch etwas unentspannnend. Überhaupt klang das Konzept abstrus: Man geht monatelang jeden Tag dorthin und probiert die Bank aus. Kostenlos. Die Idee dabei ist wohl, dass man irgendwann ohne nicht mehr leben kann und sich eine kauft.
Aber man kann ja nicht mitreden, wenn man's nicht selbst erlebt hat, also bin ich gestern mit. Ein grosser Raum, Stuehle mit Nummern. Gelangweilte Menschen auf den Stühlen. Ein Beamer, eine Leinwand, ein Mikrofon. "Wir muessen noch warten, es hat noch nicht angefangen" erklaert meine Bekannte und wir setzen uns auf die nummerierten Stühle. Ein softpoppiger Song, irgendwo zwischen Aerobicstudio und Fahrstuhl beginnt. Der Text lautet sinngemaess "Ceragem, ceragem, ceragem!!!". An irgendwas erinnert mich dieser Song....auch das entsetzlich schlechte Infomercial, das jetzt anläuft.....
Die Wucht der Erkenntnis wirft mich fast vom Stuhl Nummer 11. Koreanische Untertitel! Koreanische Untertitel! Schlechte Musik, schlechtes Video, abstruse Verkaufsstrategien und Koreanische Untertitel!!!! Ich sage auf Widerspruch hoffend zu meiner Bekannten: "Das ist was Koreanisches!" Unschuldig geradeaus blickend meint sie, ob das denn wichtig sei....
Und was mit den Russen sei? - Die arbeiten hier nur.
Aha. Alles wie gehabt. Reiche Koreaner rekrutieren russische Leibeigene zu sinnloser Tätigkeit.
Die Rednerin tritt auf die Buehne. Sie ist etwa 65 und traegt Hosen. In Korea sind die Maedchen mit den Mikrofonen 15 und tragen glitzernde Miniroecke und Plateauschuhe. Ich nehme dankbar zur Kenntnis, dass das Mikrofon lieser eingestellt ist als in Korea. Vielleicht wird doch alles gut. Ich entnehme den Aussagen der Rednerin, dass sie früher auch jeden Tag kostenlos hierherkam und sich die Liege aber nicht leisten konnte, weil auf Hartz 4. Sie hat vollstes Verständnis, wenn manche sich die Bank nicht kaufen können.
Ein Blick ins Publikum legt nahe, dass das alle im Raum betrifft.
Aber auch das ist ok, wenn man weitersagt, wie toll Ceragemist, damit dann ein anderer Ceragem kauft.
Oder wenn man anfängt dort zu arbeiten?
Und sie fände den Ceragem Song auch nicht so toll, aber weil das eine Verkaufsveranstaltung ist muss man den anhören wenn man auf der Bank liegt, andere Musik dürften sie hier nicht.
Noch ein besonders Koreanisches Detail: Bevor wir uns auf die Bänke legen können müssen wir noch rhytmisch klatschen und laut "Ceragem!" rufen.
Dann legt man sich auf eine Bank, und am Rücken fährt eine Schiene mit heissen Jadesteinen die Wirbelsäule lang. Wenn man vergessen kann, dass das ganze koreanisch ist, könnte es sogar wirklich angenehm sein. Aber das ist nicht ganz leicht zu verdrängen, weil nebenan bereits die nächste Werbeaktion losgeht.
Nach 20 Minuten läutet eine Glocke und die nächsten sind dran.
Weniger schmerzhaft als die bei Mr. Choi oder Gina Lee, ist alles was ich sagen kann. Aber ich bin ja auch vorbelastet muss ich dazusagen. Probieren sie es selbst.
Eins - zwei -
CERAGEM!
Hiermit hab ichs weitergesagt und meinen Teil der Verabredung erfüllt und kann den service nun guten Gewissens viele Monate lang kostenlos nutzen
*den ceragemsong trällernd beendet Johanna zufrieden dieses Posting*