Sunday, April 30, 2006

Changes

Ich kam gestern von einem sehr informativen Kurzbesuch des deutschen Ostens zurück nach Berlin und erfuhr, dass ich ausziehen muss. Möglichst sofort oder gestern. Was genau in meiner Abwesenheit vorgefallen ist verbleibt unbekannt, aber in solchen Fällen ziehe ich es vor, nachzugeben. Das Wohnklima zeigt sich doch nachhaltig beeinflusst.

Tuesday, April 25, 2006

Heisser Stein ohne Tropfen

Eine Bekannte überredete mich, mit ihr zu einer kostenlosen Massagebehandlung zu gehen. Angeblich würde das von Russen gemacht werden, da hätte sie gleich an mich gedacht. Ich war natürlich misstrauisch, denn in Deutschland ist eigentlich nichts kostenlos. Und bei der Massage russisch zu üben erschien mir ehrlich gesagt auch etwas unentspannnend. Überhaupt klang das Konzept abstrus: Man geht monatelang jeden Tag dorthin und probiert die Bank aus. Kostenlos. Die Idee dabei ist wohl, dass man irgendwann ohne nicht mehr leben kann und sich eine kauft.
Aber man kann ja nicht mitreden, wenn man's nicht selbst erlebt hat, also bin ich gestern mit. Ein grosser Raum, Stuehle mit Nummern. Gelangweilte Menschen auf den Stühlen. Ein Beamer, eine Leinwand, ein Mikrofon. "Wir muessen noch warten, es hat noch nicht angefangen" erklaert meine Bekannte und wir setzen uns auf die nummerierten Stühle. Ein softpoppiger Song, irgendwo zwischen Aerobicstudio und Fahrstuhl beginnt. Der Text lautet sinngemaess "Ceragem, ceragem, ceragem!!!". An irgendwas erinnert mich dieser Song....auch das entsetzlich schlechte Infomercial, das jetzt anläuft.....
Die Wucht der Erkenntnis wirft mich fast vom Stuhl Nummer 11. Koreanische Untertitel! Koreanische Untertitel! Schlechte Musik, schlechtes Video, abstruse Verkaufsstrategien und Koreanische Untertitel!!!! Ich sage auf Widerspruch hoffend zu meiner Bekannten: "Das ist was Koreanisches!" Unschuldig geradeaus blickend meint sie, ob das denn wichtig sei....
Und was mit den Russen sei? - Die arbeiten hier nur.
Aha. Alles wie gehabt. Reiche Koreaner rekrutieren russische Leibeigene zu sinnloser Tätigkeit.
Die Rednerin tritt auf die Buehne. Sie ist etwa 65 und traegt Hosen. In Korea sind die Maedchen mit den Mikrofonen 15 und tragen glitzernde Miniroecke und Plateauschuhe. Ich nehme dankbar zur Kenntnis, dass das Mikrofon lieser eingestellt ist als in Korea. Vielleicht wird doch alles gut. Ich entnehme den Aussagen der Rednerin, dass sie früher auch jeden Tag kostenlos hierherkam und sich die Liege aber nicht leisten konnte, weil auf Hartz 4. Sie hat vollstes Verständnis, wenn manche sich die Bank nicht kaufen können.
Ein Blick ins Publikum legt nahe, dass das alle im Raum betrifft.
Aber auch das ist ok, wenn man weitersagt, wie toll Ceragemist, damit dann ein anderer Ceragem kauft.
Oder wenn man anfängt dort zu arbeiten?
Und sie fände den Ceragem Song auch nicht so toll, aber weil das eine Verkaufsveranstaltung ist muss man den anhören wenn man auf der Bank liegt, andere Musik dürften sie hier nicht.
Noch ein besonders Koreanisches Detail: Bevor wir uns auf die Bänke legen können müssen wir noch rhytmisch klatschen und laut "Ceragem!" rufen.
Dann legt man sich auf eine Bank, und am Rücken fährt eine Schiene mit heissen Jadesteinen die Wirbelsäule lang. Wenn man vergessen kann, dass das ganze koreanisch ist, könnte es sogar wirklich angenehm sein. Aber das ist nicht ganz leicht zu verdrängen, weil nebenan bereits die nächste Werbeaktion losgeht.
Nach 20 Minuten läutet eine Glocke und die nächsten sind dran.
Weniger schmerzhaft als die bei Mr. Choi oder Gina Lee, ist alles was ich sagen kann. Aber ich bin ja auch vorbelastet muss ich dazusagen. Probieren sie es selbst.
Eins - zwei - CERAGEM!
Hiermit hab ichs weitergesagt und meinen Teil der Verabredung erfüllt und kann den service nun guten Gewissens viele Monate lang kostenlos nutzen
*den ceragemsong trällernd beendet Johanna zufrieden dieses Posting*

Saturday, April 22, 2006

Russisch. Zukunft.

Es ist uebrigens nicht so als wuerde ich jetzt aufhoeren mit Russisch. Nur wird es jetzt weniger und bei einer neuen Dozentin. Die ist sicher auch toll, aber es wird nicht dasselbe sein.
Frau Roth und Frau Hartmann, Sie werden uns fehlen!

Friday, April 21, 2006

Freiheit. Ein bisschen.

Ich und meine Gefaehrtin im Russischen haben heute erstaunlicherweise die Pruefung bestanden. Wir hatten uns kurz vorher bei Starbucks getroffen und versucht uns schonmal einzusprechen....wir sollten einen Dialog halten. Wir verbrachten die Zeit damit uns gegenseitig zu versichern, wie schwierig es alles sei. Auf russisch, versteht sich.
"Это так трудно." - "Да, очень трудно" - "Да. Очень."
Aber irgendwas scheint es doch gebracht zu haben, denn es ging ja alles gut.....wir waren dann auch sehr froh, dass wir uns nicht richtig auf irgendein Thema vorbereitet hatten, denn irgendwie kamen wir vom Thema "Freizeitgestaltung" ohnehin sehr schnell ab. Stattdessen eroerterten wir Hartz 4 (гарц четыре) und schwule Cowboys, wobei das Wort schwul interessanterweise umgangen wurde. Ich glaube wir wussten trotzdem alle Bescheid.
Jetzt, wo ich frei bin ist es endlich wieder Zeit mich mit all den anderen unangenehmen Dingen zu befassen, die ich in letzter Zeit ignoriert habe. Und irgendwann werde ich es nicht vermeiden koennen doch mal zu Ikea zu fahren.

Wednesday, April 19, 2006

Zwischen den Weckern

Gute Lehrer wollen ihren Schuelern etwas beibringen. Weil man als Schueler aber so vielen schlechten begegnet ist, die aus Verbitterung ihre Position zur Machtausuebung missbrauchen und ihre Aufgabe darin sehen den Schuelern zu zeigen wie nichtswuerdig sie wirklich sind im Vergleich zum Lehrer, weil man solchen schon so oft begegnet ist traut man den guten nicht mehr. Man ist dann allerdings wirklich selbst schuld, wenn man nicht auf sie hoert. Machen wir uns nichts vor, ein bisschen Menschenkenntnis muss es auch in der Uni geben.
Aber was bin ich froh, dass ich das nicht korrigieren muss.
*gratuliert sich trotz allem zur Rolle des Lernenden*

Technische Schwierigkeiten zugespitzt

Ich stellte also gestern einfach meine innere Uhr und zur Sicherheit mein Handy. Innere Uhr funktioniert eigentlich immer, ich wurde auch 2 Minuten vor Handy wach.
Es sollte mich also nicht weiter beunruhigen, dass ich heute irgendwie einen defekte Wassertetrapack in der Tasche hatte und mein Handy darin ersoffen ist. Und somit meine letzte Form der technischen Weckung. Also es leuchtet noch, behauptet allerdings hartnaeckig, der Akku werde geladen und weigert sich auf Tastenbetaetigung zu reagieren.
Morgen und Uebermorgen hab ich weitere Termine in der Fruehe, das wird ein lustiges Training fuers U(h)rvertrauen.

Tuesday, April 18, 2006

Technische Schwierigkeiten

Ich weiss seit geraumer Zeit, dass ich morgen frueh Klausur schreibe. Bisher hat dieses Wissen nur meinen Schokoladenkonsum gesteigert. Gerade erst vor wenigen Minuten wurde mir aber vollends bewusst, dass diese Klausur um 8:00h stattfindet. (!!!)
Gluecklicherweise fand sich auch ein Wecker in dieser neuen Wohnung. Leider kann ich ihn nicht stellen. Der groesste Erfolg, den ich bisher erziehlt habe ist, dass ich den Alarm an und ausstellen kann. Trotz wiederholten Bemuehungen habe ich keinerlei Einfluss auf die eingestellte WeckZEIT, die im Moment 7:55h lautet. Du Schuldfrage (ich oder der Wecker) ist in Anbetracht der Lage unerheblich, interessanter waere zu wissen, wie ich es in der Zeit zwischen Wecken und Klausurstart zur Uni schaffe. Dabei sein ist ja bekanntlich die halbe Miete oder so....

Sunday, April 16, 2006

Я поздравляю вас с пасхои....

Die Woche fing so harmlos an, hat sich aber inzwischen sehr seltsam weiterentwickelt....
Aber ich habs wahrscheinlich auch nicht anders gewollt und prinzipiell sind auch unangenehme Erfahrungen wichtig und notwendig und es geschieht in meinem Leben sowieso immer das, was notwendig ist. Hab ich in den letzten Jahren immer wieder gemerkt.
Soweit die kryptische Bemerkung zum Ostersonntag.
Gestern kurz vor Ladenschluss hab ich sogar noch Eier gekauft und heute hartgekocht. Ich wusste irgendwie nicht mehr ob Eier ganz mit Wasser bedeckt sein muessen oder nur halb und ob Essig oder Salz ins Wasser soll und ob das Wasser erst kochen muss und wie lange die Eier da drin sein sollen. Ich entschied mich fuer viel Wasser mit Essig und dann klingelte das Telefon und als ich eine halbe Stunde spaeter wieder in die Kueche kam waren die Eier nicht mehr ganz bedeckt. Aber sehr, sehr fertig und interessant blau gefaerbt. Inwendig.
Schmeckten irgendwie seltsam. Nach Schwefelsaeure oder so. Vermutlich der Geschmack sauer eingekochter H5N1 DNA. Falls es naechstes Jahr noch Huehner gibt probier ich das ganze nochmal mit Salz.

Monday, April 10, 2006

Brokeback Mountain

Hab ich gerade gesehen. Ein sehr einfühlsamer Film, er hat mich völlig absorbiert, obwohl mich schwule Cowboy-romantik sonst eher kalt lässt. Das ist übrigens einer dieser Filme, die man unbedingt in der Originalfassung sehen sollte. Der Dialekte wegen.
Übrigens ist es gleich Ostern, fiel mir heute auf. Ich merke, ich bin mit den Eiern im Verzug.

Saturday, April 08, 2006

Russendiscalgie

Es ist Samstag und ich war gerade im Gorky Park in Berlin Borschtsch essen. Samstag. Wenn ich noch in Moskau waere koennte ich jetzt in die Disco. Eine ordentliche Alternative hab ich in Berlin noch nicht gefunden, so bleibt mir heute nur die Erinnerung. Und dieses Photo.

Wieder zu Hause?

Bin inzwischen wieder in Berlin. Zwei reizende junge Maenner, die schon vor mir Moskau verlassen hatten (M. und M.)erwarteten mich am Flughafen Schoenefeld, ich war ganz geruehrt. Und ich muss jetzt wirklich mal ein Lob auf die Jugend von heute aussprechen, die beiden brachten mich nach Hause, entsorgten getrocknete Katzenexkremente und fanden sogar die Milch bei Lidl (wir mussten dazu zu dritt ausschwaermen. gar nicht so leicht.) Ich bin ja jetzt schon ziemlich lange jung, und so waren die jungen Leute frueher nicht. Oder hab ich mich immer mit den Falschen abgegeben? Oder waren es gar nicht die Falschen, aber ich ein schlechter Einfluss?
Jedenfalls war es in Moskau waermer als in Berlin und ich vermisse die Heizung und ich vermisse auch das Unhoeflichsein auf Russisch, denn das auf deutsch versteh ich zu gut.
Der Plan fuer die naechste Zeit wird sein: Schrankaehnliches kaufen, damit ich Koffer auspacken kann. Bett kaufen damit ich schlafen kann. Jemand finden, der mit mir zu Ikea faehrt. Da kann man mal testen wie weit die Naechstenliebe der Jungen Leute reicht.

Tuesday, April 04, 2006

auf ein letztes

Die letzten beiden Tage waren mit Sicherheit die herausfordernsten meines Aufenthaltes. Das lag unter anderem daran, dass ich jeglicher Hilfsmittel wie anderer Leute Handys und regelmaessigem Internetzugang beraubt war und somit voellig isoliert war, aber andererseits verschiedene Soziale Verpflichtungen hatte denen nachzukommen sich ohne Kommunikationsmittel als aeusserst schwierig darstellte....
Erwaehnte ich schon, dass das Puschkin Institut von verbitterten Damen um die 50 betrieben wird, die niemals auf die Idee kaemen etwas freiwillig fuer jemand anderen zu tun? Waehrend das ueblicherweise nur zu laengeren Wartezeiten und anderen Unannehmlichkeiten fuehrte wurde der Versuch eine Telefonkarte zu erstehen beinah zur existenziellen Bedrohung. Die Dame bestand fest darauf, es sei die richtige Karte und las wiederholt vor, dass man eine 9 vorwaehlen muesse. Ich versuchte ihr zu versichern, dass ich eine Nummer erst waehlen kann, wenn eine richtige Karte im Telefon steckt. Gerettet wurde ich durch eine zweite aeltere Dame, die besser streiten konnte als ich. Sie vertrat meinen Standpunkt. Aber wusste auch nicht wo man diese Karten kaufen koenne.
Ich beschloss in die Telefonzentrale gegenueber zu gehen. Dort wollte man mir aber auch keine Karte verkaufen. Eine Zwillingsschwester der ersten unfreundlichen Dame versicherte mir, es sei guenstiger bei ihnen in der Kabine zu telefonieren. Und ich solle mich bitte entscheiden was ich wolle. Ich gab nach und wollte nur noch telefonieren, die Zeit draengte. Geld solle ich ihr geben. Ich zoegerte, weil mit diesem System nicht vertraut. Das war aber falsch, denn sie wurde jetzt richtig boese: dengi, dengi, dengi! schrie sie. Ich fragte schnell wieviel, denn sie litt sicher auch an hohem Blutdruck und war auch schon ganz rot im Gesicht. Das wisse sie nicht, je nachdem wie lange ich telefonieren wolle. Ich gab ihr 10 Rubel. Das sei eine Minute, sagte sie veraechtlich. Ich gab ihr noch 10 und sie schickte mich in eine Kabine. Wenn ich eine Stimme hoere soll ich 3 waehlen.
Ich waehlte und eine Frauenstimme sagte etwas. Ich drueckte die 3.
Hysterisches Geschrei hinter mir: Ich solle nur 3 druecken, wenn die Stimme "Allo, Allo" sagt!!! Offenbar war das die Stoerungsansage gewesen. Woher soll ich das denn wissen. Immerhin, beim zweiten Versuch war ich erfolgreich.
Den naechsten Anruf beschloss ich anderswo zu taetigen und verliess die Telefonzentrale.
Aber wo? Leider fand ich in der naechsten Stunde keine Alternativen und ging schliesslich ins Internet Cafe. An der Theke sass ein junger Mann. Dem erklaerte ich, dass ich kein Telefon haette und dringend mal telefonieren muesse. Er verstand das innerhalb von Sekunden, wollte wissen ob ich die Nummer wuesste und gab mir sein Handy. Dafuer verlangte er gar nichts.
Wenn das hier eine Southpark episode waere wuerde ich jetzt die Moral herausdestillieren. So geh ich jetzt erst mal packen.

Monday, April 03, 2006

vorstadt rapper

Heute sind die letzten unserer Gruppe abgereist. Ich halte tapfer weiterhin die Stellung. Habe auch das Angebot meiner Freunde noch nicht wahrgenommen zu ihnen zu ziehen, ich nutze dieses sehr seltsame Institut aus bis zum letzten. In der Stalovaja setzte ich mich ein letztes mal mit der vollkommen unkooperativen Dame hinter der Theke auseinander. Irgendwie war keines der auf der Karte aufgefuehrten Gerichte vorhanden, weswegen ich schliesslich auf den Fisch zurueckgreifen musste, man will schliesslich nicht voellig umsonst angestanden haben. Ich lebe noch, sagen wir mal, aber es wundert mich nicht, dass alles andere ausverkauft war....
Gestern war ich auf einem Konzert, das meine Freunde mir UNBEDINGT empfohlen hatten. Es handelte sich um die Band Okraina, die ein Projekt eines entstellten Dichters ist. Ich nenne ihn mal entstellt, weil sein Ohr und sein halbes Gesicht irgendwie nach hinten gerutscht sind. Dieser Mensch singt und spricht Texte zu musikalischer Begleitung, die sich hauptseachlich durch Lautstaerke auszeichnet. Es handelt sich um Stuecke, die sich mit den Eigenheiten der gruenen Ubahnlinie und aehnlich wichtigen philosophischen Themen auseinandersetzen. Hochinteressant, ich halte den Mann fuer einen begnadeten Kuenstler (und ich verstehe ihn kaum). Die Regel der Gruenen Linie: werde high oder steig aus! Das werd ich nochmal ueberpruefen....
Ich hab noch morgen um mich in Moskau umzutreiben, dann geht es auch bei mir wieder Richtung Berlin. Irgendwo hab ich was vom Museum der Roten Armee gehoert. Das sollte ich vielleicht noch mitnehmen. Disco ist ja morgen leider keine. Noch irgendwelche Empfehlungen?