Wednesday, March 29, 2006

Feiern international

Ich war ja noch nicht fertig mit der Disco Beschreibung. Allmaehlich verstehe ich warum in den 20er Jahren in Shanghai Russinnen als "Vampyrinnen" galten. Gepflegt, gebildet und voellig anspruchslos sich unterordnend nahmen sie all den verwoehnten Britischen Ladies die Ehemaenner weg und erlangten so Sicherheit, Status und Rechte, sehr zum leidwesen der reihenweise geschiedenen Britinnen. Interessanterweise scheint sich in dieser Beziehung in den letzten Jahrzehnten nicht allzuviel geaendert zu haben.
Die Angestellten am Institut hier sind fast ausnahmslos junge Ukrainische und Russische Studentinnen, die sich nach getaner Arbeit in Schale werfen und ab etwa 1.30 h alle nicht-russischen Maenner belagern. Dabei bilden sich Gruppen von 3 bis 5 Russinnen pro Mann, die jedoch flexibel sind und gerne auch in andere Gruppen wechseln. In letzter Zeit scheint sich die Anwesenheit Deutscher auf unserer Etage herumgesprochen zu haben, denn immer oefter verlaufen sich Studentinnen in unsere Kueche und versuchen "Deutsch zu lernen". Mehr oder weniger erfolgreich....
Ich hab ja nichts dagegen, nur wurde ich umgekehrt von jungen Studenten aus Tajikistan belagert und musste feststellen, dass meine einzige wirklich wichtige Russische Konversation hier in Moskau darin bestand wiederholt zu beteuern, dass ich meine Zimmernummer vergessen haette, kein Telefon habe und dringend los muss.
Erinnerte mich ein wenig an diverse Begebenheiten am Frankfurter Hauptbahnhof....
Muss jetzt mit den Amerikanern ausgehen, bevor die Russinnen von der Arbeit kommen.
So long.

Tuesday, March 28, 2006

kosmos

War beim Kosmonautendenkmal. Schoen. Wenn man hochschaut ist es fast wie fliegen.

Friday, March 24, 2006

Russendisco

Donnerstag abend ist Russendisco in einem nahegelegenen Club, kostenlos und unverbindlich, da bin ich mal mit. War auch sehr interessant: Es gab Gogotaenzerinnen auf der Buehne und vollkommen untanzbare Musik. Man versuchte das tanzen zwar dennoch, die Russen mit mehr Leidenschaft aber ebenso geringem Erfolg....erschwerend kam noch hinzu, dass alle 2 Minuten die Musik abrupt wechselte und alle erst mal ratlos neue Orientierung suchen mussten. Um 1 ging dann das Licht an und wir mussten alle gehen und im Pushkin Institut weiterfeiern. Da hat die Bar bis um 5 auf und am Wochenende gibts da auch Disco. Da war ich am naechsten tag auch. Aber immer der Reihe nach.
Vorher war ich noch bei einem Konzert von Гражданская Оборона, sibirische Altrocker deren Publikum zwischen 13 und 55 war und heftigste Hingabe bekundete, die sich in Feuer, Rauch und Getrampel aeusserte, was schwarzgekleidete Security Leute zu unterbinden suchten. Mehr oder minder erfolglos. Ich verstand, dass die Gruppe eine wichtige revolutionaere Botschaft liefert, kann Details jedoch zu diesem Zeitpunk noch nicht weitergeben. Dennoch war ich hingerissen und nach Kraeften mitgesungen. wer weiss was ich da gesagt habe.
Danach war noch Disco wie gesagt, was sich bis um 6 Uhr morgens hinzog. Dummerweise hatte ich mich am folgenden Tag verpflichtet meinen Freunden beim Umziehen zu helfen... Wegen akuter Erschoepfung unterbreche ich an dieser Stelle und schau mal ob inzwischen die Party in meinem Zimmer ausgeklungen ist. Ein oder 2 Stunden Schlaf waeren schon super, insbesondere da jetzt auch noch die Zeit umgestellt werden soll.

Thursday, March 23, 2006

Alltag

Inzwischen hat sich in unserer Gruppe ein Alltag eingenistet. Man geht in den Unterricht (oder auch nicht) und danach irgendwie einkaufen oder spazieren (oder auch nicht). Viele sind krank, immer abwechselnd. Ich zufaellig gerade nicht, dafuer hab ich aber auch das einzige Lehrbuch in dem die Antworten mit Bleistift eingetragen sind----auf koreanisch. Kein Wunder, dass ich immer so verwirrt bin: um mich herum schnattert es leise auf deutsch, die Dozentin doziert auf russisch, ich versuche vermittels meines Englischen Woerterbuches Klarheit zu gewinnen und bemuehe mich im Notfall auch dem Hangul im Schulbuch noch Aufschlussreiches zu entnehmen. Bei solchen Zustaenden ist es nicht verwunderlich, dass ich heute auf dem Markt beim Apfelkauf eindringlich gemusstert wurde. Lithauen? meinte die Marktfrau zu mir als sie mir ein Kilo Aepfel in die Tuete las. Ich beschloss, dass ein Lithauer wahrscheinlich ein guenstigeres Apfelgeschaeft machen kann als ein Kapitalist und beschloss lediglich zu verneinen. Estland? fragte sie und legt noch zwei Aepfel drauf. Ich verneinte wieder und hoffte die Wahrheit bis nach der Warenuebergabe hinauszoegern zu koennen. Jetzt forderte sie jedoch offensiv meine Herkunft. Deutschland, gestand ich und nahm schnell die Aepfel. Haette sie nicht gedacht, meinte die Marktfrau, mit dem Kopf wackelnd. Jetzt kamen noch weitere Marktfrauen interessiert zu uns und wollten alle wissen woher ich denn sei. Ich fuehlte mich etwas umzingelt.
Deutschland.
Allgemeiner Aufruhr in der Menge.
Ob ich Student sei?
Ich versuchte mich irgendwie hoeflich zu entfernen, denn inzwischen standen doch sehr viele sehr grosse und starke Frauen sehr nah und dicht bei mir. Ja, ja. Student.
An der Moskauer Universitaet sicher!
Nein, nein. Am Puschkin Institut.
Verbluefftes Schweigen. Grosse Augen. Erstarrung.
Ich nutzte den Moment der allgemeinen Verwirrung um mich aus der Umzingelung zu befreien und mit einem froehlichen Gruss zu verschwinden....Hinter mir sprach es gleich wieder sehr aufgeregt weiter. Ich muss noch in Erfahrung bringen, was diese Reaktion auf die Erwaehnung meines Instituts zu bedeuten hat. Ich nehme an es ist sicher die Ehrfurcht gewesen.

Wednesday, March 22, 2006

Tier und Mensch

Nachdem wir gestern zwei Stunden lang aufschreiben mussten, welche Geraeusche Russische Tiere machen fuehlten wir und bestens vorbereitet auf unseren Besuch im Zoo heute. Allerdings waren die meisten Tiere wohl gerade im Urlaub und die wenigen, die wir antrafen hatten wir dummerweise nicht durchgenommen. Es gab allerdings Schilder an den Kaefigen auf russisch und englisch und ich ueberlegte laengere Zeit gemeinseim mit dem anderen Amerikaner in unserem Kurs, wie wohl das Tier "chough" ausgesprochen wird. Wir einigten uns auf drei wahrscheinliche Varianten und beschlossen, uns weniger ueber die Tuecken der russischen Sprache zu beklagen. Sonntag traf ich endlich meinen Bekannten, den ich vor Jahren in den USA kennengelernt hatte. Es stellte sich heraus, dass seine Frau fuer ein Szene Magazin arbeitet und wir gingen in ein seltsames Haus, dass wohl als Kulisse fuer Photoaufnahmen genutzt wird und wo abends Parties stattfinden. Ich hatte grossen Spass, aber natuerlich sprachen alle perfekt englisch. Ich muesste mal auslaenderfreundliche Russen kennenlernen, die weder englisch noch deutsch sprechen. Empfehlungen werden gerne entgegengenommen. Seit heute ist es wieder extrem kalt, ich habe die Hoffnung, dass die jaulenden Werwolf-Hunde vielleicht ueber Nacht endlich erfrieren. Immerhin kann ich das inzwischen auf russisch sagen, aber weiss gerade nicht wie ich das keyboard umstelle.

Saturday, March 18, 2006

Revolutionaeres

Mein Moskau Aufenthalt ist bereits fast zur Haelfte vorbei, kaum zu glauben. Unter der Woche gibts Unterricht, der in erster Linie versucht uns den Gebrauch praefigierter und nich praefigierter Verben der Fortbewegung naeher zu bringen. Die Klasse in ihrer Gesamtheit verlaesst den Unterrichtsraum taeglich eine Spur verwirrter als sie ihn betreten hat. Zwischen die Unterrichtsstunden schob das Institut eine Stadtrundfahrt, die uns in einem sauerstofffreien Reisebus durch gesamt Moskau kutschierte und an einer besonders attraktiven Stelle der Stadt etwa eine Stunde im Stau pausierte. Es war das Neubauviertel wo neue und teure Bauten in der Entstehung begriffen sind und das der Gegend rund um den Lehrter Bahnhof bis aufs Haar gleicht....
Mehrere Leute waren aufgrund des Suaerstoffmangels bereits entschlafen und wir anderen versuchten mit letzter Kraft die Scheiben einzuschlagen, da merkte aber auch der Reiseleiter, dass etwas nicht stimmte und wir durften 10 Minuten auf einem Rastplatz rumlaufen und Souveniers einkaufen. Dann wieder in den Bus und weiter und irgendwann wurden wir dann am Roten Platz rausgelassen und ich machte mich mit einer Genossin dezent auf den Weg zur Metro.
Gestern war ich mit ein paar anderen im Revolutionsmuseum. war auch wirklich ganz interessant, nur stellten wir nach zwei Stunden intensiver begutachtung diverser revolutionaerer Relikte fest, dass wir immer noch erst beim ersten Weltkrieg waren und dass wir noch ein ganzes Jahrhundert vor uns hatten, wahrscheinlich inklusive prerestroyka. Voellig erschoepft konnten wir uns danach gerade noch zu MacDonalds schleppen und staerken. Viel billiger als in Deutschland uebrigens, nicht dass ich hier werben will, aber es war irgendwie eben doch wie zu Hause sein. I'm loving it.

Wednesday, March 15, 2006

Lenin, Stalin und andere Genossen

Irgendwie dachten wir uns am Sonntag, es sei ein guter Tag ins Mausoleum zu gehen. Ich moechte zukuenftige Moskaubesucher aber gleich eingangs darauf hinweisen, dass kein Tag, an dem es heftig schneit, ein guter Tag fuers Mausoleum ist. Bin etwas unter Zeitdruck hier und bemuehe mich deshalb mich kurz zu fassen.
Das Erlebnis findet statt rund um den Roten Platz, an dessen einem Ende man durchsucht und kostenpflichtig zur Abgabe jeglicher Taschen, Handies und Photoaparate genoetigt wird. Dann wird man durch den Schneesturm zum Mausoleum gejagt wobei man gleichzeitig die Schneeraeum Maschinen vermeiden sollte, die wild hin und her fahren und mit der Warnung versehen sind:
"Ich hoere nichts"
Im Mausolem selbst darf man etwa 2 Minuten lang den extrem unecht aussehenden Lenin Lenins begutachten, bevor man auf der anderen Seite wieder in den Schnee gejagt wird. Dann geht man an langen Reihen von Ehrengraebern vorbei und umrundet schliesslich einmal den gesamten Roten Platz um am Ende noch einmal von der anderen Seite zum Ausgangspunkt zurueckkehren zu muessen um das dot befindliche Gepaeck zu holen. Das interessanteste an de Besichtigung war die Bueste Stalins, die geschmueckt und bekraenzt sich von den anderen Graebern unterschied und die gerade von einem Aelterne Ehepaar mit Blumen ueberhaeuft wurde. Unsere kleine Gruppe machte daraufhin Plaene ein aehnliches Projekt mit einer Hitler Bueste am Potsdamer Platz zu starten.
Ansonsten schmilzt der Schnee zu Matsch und aufgrund einer Ueberhandnahme der Kakerlaken in unserem Zimmer sind wir heute umgesiedelt. Kakerlaken waren noch keine zu sehen im neuen Zimmer, die Frage ist jetzt ob die Werwoelfe auch vor unserem neuen Fenster heulen werden. Ich berichte dazu morgen.

Friday, March 10, 2006

Schriftsteller so oder so

Gestern waren wir im Mayakovski Museum, das sich schon wegen des Gebaeudes wirklich lohnt. Heute wollten wir ins Gorki Haus, das aber, wie wir dem Zettel am Eingang entnahmen, wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war. Deshalb gingen wir ins Haus nebenan, denn gluecklicherweise stellte sich heraus, dass es sich dabei um das Tolstoi Haus handelte.Auch gut, Schriftsteller ist schliesslich Schriftsteller. Das Tolstoi Haus war faszinierenderweise fast vollstaendig in Eiszapfen gekleidet und machte einen etwas verlassenen Eindruck. Aber die etwas wurmstichige Tuer liess sich oeffnen und eine freundliche Dame nahm unseren Wunsch, das Museum zu besichtigen erfreut und ueberrascht zur Kenntnis....und war noch ueberraschter als sie erfuhr, dass wir aus dem Ausland kamen. Die Fuehrung fand auf Russisch statt und wir alle nickten fleissig und aufmunternd, einfach nur weil die Frau so nett war.
Tolstoi war offenbar Kunstsammler, im Wohnzimmer hing ein angeblich echter Bosch, die Moebel waren aus dem Besitz von Peter dem Grossen und wo frueher das Schlafzimmer gewesen stand nun ein Bechstein Fluegel. Erst bei der Aufzaehlung saemmtlicher Werke Tolstois wurde uns langsam klar, dass es sich nicht um Leo Tolstoi, sondern um Alexei Tolstoi handelte. Aber wie gesagt, Schriftsteller ist Schriftsteller.

Wednesday, March 08, 2006

Frauentag

Gestern gabs internetprobleme, heute gabs Frauentag, insgesammt ist die Lage noch etwas verwirrend....Der Unterricht (taeglich 6 Stunden) besteht im Moment noch daraus, dass wir grammatische Uebungen machen und dabei auf jedes gramatische Phaenomen etwa 5 Minuten verwenden. Dann gehen wir zum naechsten Thema ueber. Bei diesem Tempo werden wir die Sprache in 0,nix gemeistert haben.
Heute Frauentag (herzlichen Glueckwunsch allerseits). Im Supermarkt wimmelt es von Maennern, alle kaufen ein anstelle der Frauen. Essen, Blumen, Damenbinden. Ein wundersames Bild.
Morgen geht es weiter mit Unterricht, bin mal gepannt. Melde mich wieder,wenn alles gut geht.

Sunday, March 05, 2006

Moskau

Ich bin natuerlich puenklich zu Reisebeginn erkrankt, aber dann trotzdem geflogen....immer wieder erstaunlich wie dehnbar ein Trommelfell ist und wo der Mensch ueberall Lufthoehlen im Kopf hat. Aber ich hab ueberlebt, auch wenn ich gestern den Roten Platz vorzeitig raeumen musste. Morgen werden wir eingestuft, ich versuche mich bis dahin an ein oder zwei Vokabeln zu erinnern.