MacDurian
Trotz definitiv antisozialer Tendenzen hatte ich einen recht sozialen Samstagabend. Letzte Woche war es zu einer kleinen Auseinandersetzung gekommen zwischen P. und mir, bezüglich der Eigenschaften tropischer Früchte. Auslöser waren zwei sehr grosse Ausstellungsstücke bei Galleria Kaufhof gewesen: Eine ca. 10 kg Jackfrucht und eine ca. 8 kg Durian lagen mitten im Laden auf einem Sondertisch. Die Auseinandersetzung drehte sich dann um die Frage, welche Frucht innen stärker klebt und intensiver stinkt. Ich bestand auf Durian als unübertroffenes Geruchserlebnis, während P. dramatische Geschichten von jackfruchtfleischbedingt unbrauchbar gewordenen Messern erzählte. Schlichtung war an diesem Abend noch nicht möglich, aber man versprach uns, dass die Früchte am nächsten Tag zum Verkauf frei sein würden. Aber als ich am nächsten Tag ankam war angeblich schon alles verkauft.
Gestern abend (man muss die langen öffnungszeiten ja ausnutzen) lag eine halbe Durian auf selbigem Tisch. Leider war in akzeptabler Menge und filettierter Form nur noch Jackfrucht vorhanden. Schade, sagte ich, denn es war auch weit und breit kein Macheteschwingender Durianbeauftragter zu sehen. Ich verschwand kurz in der Schokoladenabteilung um wichtige Schokoladenkäufe zu tätigen. Als ich P. wiederfand hatte er mehrere Kaufhof-Mitarbeiter mobilisiert, die sich bemühten Duriantechnische Hilfe zu organisieren. Es fand sich schliesslich auch jemand, der etwas unschlüssig mit dem Messer über dem Durian wackelte und fragte, ob wir vorhätten die Frucht zu pürieren. Wir verneinten. P. schlug einen Querschnitt vor und erstand die unteren 2 kg. Bereits nach kurzem Transport wurde es offensichtlich, dass Durian Jackfrucht jederzeit in die Ecke stinken kann.
Bei Macdonalds drangen wir weiter in die Innereien der Frucht ein. Interessanterweise leerten sich die Sitze um uns bald schon recht weiträumig. Gut so. Plastikgabeln eignen sich allerdings nur bedingt als Werkzeuge, was dazu führte, dass ich irgendwie bald Fruchtfleisch im Haar und im Auge hatte und ich war dann doch froh, dass ich alle offiziellen Termine an diesem Tag bereits hinter mir hatte.
Offenbar hat P's Mitbewohner noch in der Nacht das verbleibende Kilo Durian verspeist. Man kann nur hoffen, dass er sich der besonderen Risiken bewusst war. Mit Alkohol gemischt entwickelt Durian im Magen ja angeblich gefährliche Gase, die zu Explosionen führen können. Also Durian auf dem Küchentisch am Samstagabend kann ähnlich tödlich enden wie Dinner mit Pulonium-210. Darauf ist vielleicht noch kein Geheimdienst gekommen. Bisher hab ich noch keine Nachrichten bezüglich der Durian Entwicklung erhalten, das kann allerdings viele Gründe haben. Bin mal gespannt.
Labels: Nachtleben

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