Monday, October 09, 2006

Neuer Montag. Neues Leben. Po-I-Cha.

Montag. Ein guter Tag, mal wieder ein neues Leben zu beginnen. Und ich mein jetzt nicht Weight Watchers (ich scheine die Gerichte überlebt zu haben), sondern insgesamt eine Gewohnheitsänderung. Das könnte zum Beispiel ein Verzicht sein. Allerdings habe ich so unregelmässige und vielfältige Laster, dass fast alles eine Änderung bedeuten würde.
Irgendwas richtig tiefgehendes. Gute Taten vollbringen, vielleicht den Armen abgeben....nein, das ist in Berlin nicht zumutbar. Tür aufhalten. Für jemanden ein paar Münzen in eine abgelaufene Parkuhr stecken. Jemandem ein Geschenk schicken.
Oder einfach nur an den Dingen arbeiten, die man schon so lange vor sich her schiebt.
Ich beginne mit Po-I-Cha. Ich fand ja neulich in meinen Besitztümern die Reste des von Mr. Choi verordneten Wundertees. Inklusive Instrumente.
Po-I-Cha gilt bei einer bestimmten Altersgruppe in Korea als Wundermittel, weswegen sie fast alle qualitativ hochwertigen Bestände aus China aufgekauft haben. Das hat natürlich auf den Preis erhebliche Auswirkungen. Ein Po-I-Cha mittelerer Güte geht für ca. 100 Euro über den Tisch. Auch der Vater einer koreanischen Bekannten, der an Leberkrebs starb (ein sehr häufiger koreanischer Tod), investierte im fortgeschrittenen Krankheitsstadium noch heftig in Po-I-Cha. Sie wollte mir die Reste gerne schenken. Aber ich lehnte ab, das war mir zu unheimlich. Hätte man aber sicher gut auf ebay versteigern können.
Po-I-Cha ist der Koreanische Name für Pu-Erh-Cha (Cha heisst immer "Tee") und hat fast nichts mit dem Zeug gemeinsam, das in Deutschland unter dem Namen Pu-Erh angeboten wird. Es handelt sich um speziel verabeiteten Tee aus der Yunnan Provinz. Der Tee wird in der Erde vergraben und fermentiert und manche Jahrgänge sind offenbar extrem potent. Ich hatte mal einen ca 20 Jahre alten für ca 100 Euro, der auch recht gut war. Die guten Jahrgänge sind natürlich inzwischen extrem dezimiert und können auch nicht mehr nachgeliefert werden. In Shanghai hat sich der Teeladen Besitzer dazu entschuldigend geäussert.
Der Geschmack des Po-I-Cha ist etwas gewöhnungsbedürftig: sehr rauchig und stark, fermentiert. Natürlich schmeckt jeder Jahrgang anders. Mein Tee ist relativ billig, 30 Euro für 30 Kügelchen. Der Tee ist in Murmelartige Kugeln gepresst, eine Kugel reicht für ca 2 Liter Tee. Die muss man dann auch auf einmal trinken, damits was nützt.
Die Zubereitung ist auch sehr speziel: Man benötigt eine spezielle buddhistisch gebilligte Teekanne aus gereinigtem Ton, eine Glaskanne, ein Sieb, Zangen und löffel aus Horn und einen Schlabbertisch, auch aus Ton. Und natürlich gereinigtes Wasser.
Idealer Weise geht die Zubereitung so:
Man gibt eine Perle Tee in die winzige Tonkanne. Dann giesst man heisses Wasser dazu, wartet ca 10 Sekunden und begiesst mit dem ersten Sud den Schlabbertisch und den Deckel der Teekanne. Dann füllt man auf und giesst den Sud durch das Sieb in die Gaskanne. Wiederholen, bis genug Tee in der Kanne ist für eine Tasse (das Tondings ist wirklich winzig). Trinken. Weitergiessen. Trinken. Bis der Sud klar wird. Ca 2 Liter. Toilette aufsuchen. Reinigen des Tongefässes mit Horninstrumenten und klarem Wasser. Trocknen lassen.
Wenn man die gebrauchten Teeblätter glattstreicht sollte jedes Blatt perfekt sein. Dann weiss man, dass es sich um hochwertigen Tee handelt.
Ob Kim Jong Il den Tee geniesst?
Hilft bei allem, sagt Mr. Choi. Schaun wir mal.

3 Comments:

takariko said...

Was ist denn ein Schlabbertisch?

11:20 AM  
Claudia said...

http://tee.kaywa.com/
Ein ganz besonderes Teeblog. Ich liebe es - obwohl ich so eine katastrophale Ernährungsweise habe. Manchmal denke ich mir, vielleicht wirkt es ja schon beim Lesen?

7:34 PM  
Johanna said...

Ein Schlabbertisch ist ein Tisch mit Ton Platte zum draufschlabbern:-)

8:30 PM  

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