Wednesday, August 23, 2006

Dreigroschenoper

Ich bin jedenfalls froh, dass es nicht gebrannt hat. Den Admiralspalast zu verlassen dauert länger als Hähnchen grillen, wahrscheinlich wäre man am Ausgang schon gut geröstet.
Das Schlangestehen am Ausgang ist beunruhigenderweise eine der intensivsten Erinnerungen des Abends. Wahrscheinlich weil nur hier eine gewisse Emotionalität zu spüren war, eine Mischung aus Ehrgeiz, Ungeduld und allgemeiner Verunsicherung.
Also irgendwie hätte ich mir das Ganze anders gewünscht, ich bin ja bekennender Brecht-fan, immer noch. Vielleicht stört es mich deswegen so, dass alles so relativ emotionslos heruntergebetet wurde.
Ist es möglich, dass ein Schauspieler andere Schauspieler einfach nicht führen kann? Also in diesem Fall Brandauer, den ich ehrlich gesagt viel lieber AUF der Bühne als hinter den Kulissen gesehen hätte. Auch die Sache mit dem Gesang ist schwierig, natürlich kann es cool sein, wenn man Sachen nicht singt sondern brüllt. Aber eigentlich nur dann, wenn man sie auch singen KÖNNTE. Das permanente Oktavengewechsele macht auch nicht den Eindruck als sei es gewollt. Natürlich ist die Musik dissonant, aber die Dissonanz wurde nicht gewürdigt sondern als Entschuldigung missbraucht.
Prinzipiell war nichts an der Aufführung falsch, es war aber leider auhc nichts richtig. Die Handlungen schienen allesamt unmotiviert, die Gimmicks zufällig und die politischen Aspekte gingen irgendwie verloren.
Überhaupt ging viel verloren auf dieser Bühne, die konstant zu gross für die Schauspieler schien.
Es gab in den 150 Minuten keine Pause, ich glaube viele wären gegangen.
Vielleicht hätte es mir besser gefallen, wenn ihc das Stück nicht gekannt hätte. So wusste ich ja schon was passiert und die Aufführung reichte einfach nicht mich weitergehend zum Nachdenken zu bewegen.

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